Prävention ist unverzichtbar, aber nicht ruhmvoll.

Für Unternehmen, Institutionen und Behörden, die souverän durch Krisen und Notfälle manövrieren und ihren Fortbestand sichern wollen, führt kein Weg daran vorbei, sich gewissenhaft auf potenzielle Risiken vorzubereiten.

„Es muss immer erst etwas passieren, damit etwas passiert.“ Solche und ähnliche Aussagen höre ich sehr oft von Kolleginnen und Kollegen in der Krisenmanagement-Branche. Auch früher schon, als ich noch im Einsatzbereich und Katastrophenmanagement einer weltweit tätigen Hilfsorganisation gearbeitet habe, kam mir der Spruch öfters mal unter. Warum nur ist die Prävention so wenig interessant? Dabei könnten sich Unternehmen, Institutionen oder Behörden dadurch viel ersparen!

Irrglaube: Erfahrung ersetzt Prävention 

Vor wenigen Tagen hat ein Branchen-Kollege auf einer Social Media Plattform sehr treffend von seiner Erfahrung mit einem Unternehmen berichtet. Auf notwendige Präventionsarbeit und Vorbereitung angesprochen, antwortete der Geschäftsführer ganz klassisch: „Wozu brauchen wir das?“ Ein Geschäftsführer, der glaubte alles fest im Griff zu haben. Training und Übungen seien – seiner Meinung nach – bloß verschwendete Zeit. Mit Erfahrung könne jede Krise gemeistert werden. Doch die bittere Realität lehrte ihn anders.

Bruchlandung vorprogrammiert 

Nach mittlerweile gut einem Jahr in der Krise, liegt vieles im Argen. Mitarbeiterinnen laufen ins Burnout, Mitarbeiter verlassen das Unternehmen und Produktion sowie Absatzzahlen sind massiv eingebrochen. Jetzt wendet sich derselbe Geschäftsführer wieder an den Krisenmanagement-Experten.

Das ist in etwa so, wie wenn man sich die Bedienungsanleitung des Fallschirms erst durchliest, nachdem man bereits ohne Fallschirm aus dem Flugzeug gesprungen ist. Die Bruchlandung ist vorprogrammiert – da hilft die beste Erfahrung nichts mehr. Auch erfahrene Krisenmanagerinnen und -manager können in dem Fall nur noch wenig tun und retten, was gerade noch zu retten ist.

Prävention ist nicht ruhmvoll

Wer die Medienlandschaft in den vergangenen Monaten beobachtet hat, der- bzw. demjenigen ist der deutsche Virologe Christian Drosten sicher ein Begriff. Er hat den für mich sehr prägenden Satz: „There is no glory in prevention!“ in einem NDR-Podcast gesagt. Zwar ist seine Aussage auf die aktuelle Corona-Pandemie und auf den Gesundheitsbereich bezogen, aber die Kernaussage als solches kann für jeden Bereich angewendet werden.

Sicher durch Krise und Notfall

Prävention und übrigens auch Vorsorge bzw. Vorbereitung sind nicht ruhmvoll. Präventions- und Vorbereitungsmaßnahmen nehmen Zeit in Anspruch und müssen geplant werden. Die Belegschaft muss für Schulungen und Übungen ihre normale Tätigkeit liegen lassen. All das kostet Geld. Und jetzt kommt das Aber! Genau diese präventiven bzw. vorsorgenden Aktivitäten helfen, gut und sicher durch Notfall oder Krise zu kommen.

Nutzen überwiegt Aufwand und Kosten

Unbestritten ist, am Ende ist der Nutzen größer als der Aufwand oder die Kosten: Arbeitsplätze bleiben erhalten, der Schaden durch die Krise wird minimiert oder eventuell sogar ganz vermieden. Unternehmen, Organisationen oder Behörden kehren nach der Krise schnell wieder in den gewohnten Alltag zurück. Die Krise ist gut überstanden – einfach so.

Und niemand kann sich auf die Trümmer des krisengebeutelten Unternehmens stellen und sich damit rühmen, wie er bzw. sie den Betrieb retten wird oder gar die Welt gerettet hat. Denn Unternehmen, Institutionen oder Behörden haben sich selbst gerettet, weil sie gut vorbereitet waren. Der Ruhm in der Prävention bleibt augenscheinlich auf der Strecke. Doch der wahre Ruhm sollte jenen gebühren, die es erst gar nicht so weit kommen lassen!

 

NDR-Podcast von Christian Drosten zum Nachhören.

Autor: Markus Glanzer | glanzer@krisenplaner.at

Veröffentlicht am: 24. Februar 2021

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