FFP2 Maske

FFP2 Masken – Fakten und Fakes

UPDATE, 05. Februar 2021: Das ECDC – European Centre for Disease Prevention and Control hat vor einigen Tagen ein Statement veröffentlicht, in dem eine Verwendung von FFP 2 Masken für die breite Öffentlichkeit nicht empfohlen wird. Das hat jedoch keine Auswirkung auf die aktuell in Österreich geltenden Tragepflichten von FFP2-Masken. Wir bleiben der Meinung, dass die Verwendung von FFP2- Masken, bei korrekter Anwendung sowie Einhalten der Abstands- und allgemeiner Hygieneregeln, durchaus positiv zur Eindämmung der Infektionszahlen beiträgt. 

Seit 25. Jänner 2021 haben die FFP2 Masken (oder äquivalente Masken sowie Masken mit höherer Schutzklasse) den normalen Mund-Nasen-Schutz in einigen öffentlichen Bereichen abgelöst. Diese Maßnahme soll den Schutz vor der Infektion erhöhen. Viele Menschen sehen das kritisch oder bestreiten das sogar. Vor allem in den sozialen Medien wird heiß und emotional darüber diskutiert. Wir haben einige Aussagen, Fakten und Fakes zusammengetragen und versucht, diese verständlich aufzubereiten. Eines schon vorweg, FFP2 Masken schützen wesentlich besser als der normale Mund-Nasen-Schutz.

Frau M. postet: „Durch die FFP2 Maske bekomme ich zu wenig Sauerstoff.“

Das stimmt nicht, dafür gibt es weder Hinweise noch Beweise! Im Gegenteil. Auch wenn in vielen Beipackzettel Hinweise stehen, dass z.B. eine FFP2 Maske keinen Sauerstoff gibt. Oder, dass man die Maske in Bereichen mit weniger als 19% Sauerstoff nicht verwenden darf. Solche Informationen, oft als Bilder mit unterstrichenen Passagen in Beipackzetteln, geistern gerade durch das Internet.

Als NormalbürgerIn und bei Verwendung von FFP2 Masken im Corona-Kontext, wird man nicht in einen Bereich kommen, der unter 19% Sauerstoff liegt. Normalgehalt in der Luft sind 21% Sauerstoff. Menschen berichten manchmal vom Gefühl eines höheren Atemwiderstandes. Dieser entsteht durch die bessere Filterwirkung der Maske. Man gewöhnt sich aber eigentlich schnell daran. Sollte es tatsächlich medizinische Gründe für eine Tragebefreiung geben, dann besteht die Möglichkeit eines ärztlichen Attests (Anmerkung: Zur Veröffentlichung des Artikels ist die Ausstellung einer Tragebefreiung in Ö nur durch Amtsarzt möglich). Ganz ohne Maske besteht allerdings,  dort wo das Tragen von von FFP2 Masken vorgeschrieben ist,  ein wesentlich höheres Infektionsrisiko.

Sauerstoff wird durch die Maske nicht herausgefiltert. Also kein Grund zur Besorgnis. Und ja, die Maske gibt keinen Sauerstoff und versorgt den Träger nicht mit Sauerstoff. Wie auch? Dafür ist sie nicht geschaffen. Dieser Warnhinweis bezieht sich auf den Vergleich mit Systemen und Atemschutz-Geräten, wie sie z.B. von der Feuerwehr, in Labors oder bei speziellen Arbeiten verwendet werden. Diese Systeme filtern nicht die Außenluft, sondern versorgen die TrägerInnen mit Atemluft in giftigen Atmosphären, in der normale Filtermasken nicht mehr ausreichen. Das kann eben die FFP-2 Maske nicht. Und daher dieser Hinweis.

Es werden viele Warnhinweise in die Beipacktexte geschrieben. Wie bei anderen Produkten auch. Wussten Sie, dass solche Hinweise, z.B. zur Lebensgefahr,  auch in der Bedienungsanleitung für die Mikrowelle stehen können?  Nein… Aber so ist das Heutzutage. Ein aktueller Gerichtsfall in Frankreich macht verständlich, warum immer mehr Warnhinweise zu Produkten abgedruckt werden. Ein Hersteller von Wurstwaren steht dort aktuell wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht, da ein Kleinkind an einem Stück Wurst erstickte. Ein trauriger Fall. Begründung: Es soll ein entsprechender Warnhinweis auf der Verpackung gefehlt haben.  Hersteller wollen sich mit Hinweisen auf Verpackungen, in Handbüchern, Bedienungsanleitungen, Beipacktexten, etc. einfach gegen alle Eventualitäten absichern. Werden diese Warnhinweise dann in einer Diskussion aus dem Zusammenhang gerissen und falsch zugeordnet, dann kommt schnell Unsicherheit auf.

Herr P. fragt: „Warum FFP2 Masken tragen? Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt ja weiter nur den normalen Mund-Nasen-Schutz.“

Tatsächlich haben wir bei unseren Recherchen festgestellt, dass in der aktuellen, auffindbaren Empfehlung der WHO eine Anwendung von FFP2 Masken nur für medizinisches Personal empfohlen wird. Hingegen für den normalen Hausgebrauch der normale Mund-Nasen-Schutz als ausreichend erachtet wird. Das Dokument wurde  weit vor Bekanntwerden der Mutationen veröffentlicht. Die Situation hat sich  inzwischen geändert. Für die aktuell sich in Europa ausbreitende SARS-CoV-2 Mutation B.1.1.7, wird eine wesentlich höhere Übertragbarkeit bei gleichem Verlauf angenommen. Das heißt, dass sich ohne geeignete Schutz-Maßnahmen die Anzahl an Infizierten, Erkrankten und Todesfälle dramatisch erhöhen kann. Und das binnen kürzester Zeit. Die Gefahr eines Kollaps des Gesundheitssystems würde dadurch ebenfalls massiv steigen. Deshalb wurde der erweiterte Abstand von 2 Metern und das Tragen der FFP2 Masken verordnet. Macht doch Sinn. Oder?

Da hilft auch kein Wedeln mit den WHO-Empfehlungen. Und logisch nachgedacht: Die Empfehlung der WHO zur Verwendung von FFP-Masken für medizinisches Personal ist doch ein guter Hinweis dafür, dass diese Produkte sehr wohl gegen eine Infektion schützen. Und nicht nur andere vor mir geschützt werden, wie es beim gewöhnlichen Mund-Nasen-Schutz hauptsächlich der Fall ist.

K. twittert: „Die FFP2 Maske schützt ja gar nicht gegen Viren! Sie ist ja eine Staubschutzmaske.“

Partikelfiltrierende Halbmasken, wie eben die FFP2 Maske, kommen ursprünglich aus dem Bereich des Arbeitsschutzes und sind umgangssprachlich hauptsächlich als „Staubschutzmasken“ bekannt. Die Prüfung dieser Masken wird allerdings nicht nur auf den Schutz gegen Partikel, sondern genauso auf den Schutz gegen Tröpfchen und Aerosole durchgeführt. Um der Norm als FFP2 Maske zu entsprechen, müssen mindestens 94% der Aerosole durch den Filter abgefangen werden. Also ein guter Schutz gegen das Virus, da ja die Übertragung durch Tröpfchen und Aerosole erfolgt. Ein normaler Mund-Nasen-Schutz erreicht dagegen eine wesentlich geringere Filterleistung. Der Träger selbst wird durch den Mund-Nasen-Schutz nur gering geschützt.

Anmerkungen, weiterführende Quellen und Informationen

Die Wissenschaft möge uns verzeihen, wenn nicht alles 100% wissenschaftlich formuliert wurde. Gleich unter dem Artikel befinden sich einige Quellen, an denen sich dieser Artikel orientiert und die auch wesentlich mehr ins Detail gehen. 

Wir wollen verständlich und einfach lesbar einen Informationsbeitrag leisten und Menschen helfen, nicht den kuriosen Diskussionen und Kuriositäten in den sozialen Medien ausgeliefert zu sein. Leider entsteht der Eindruck, dass viele Menschen tatsächlich an die „Fake-Facts“ glauben, die sie im Internet finden und dann auch weiterverbreiten. Wenn Sie weitere Kuriositäten entdecken, dann können Sie diese gerne über unser Kontaktformular an uns senden. Wir werden den Artikel dann gerne noch erweitern. 

Denn das gemeinsame Ziel lautet: Gut und sicher durch die Pandemie zu kommen.

Links:

WHO Informationen und Empfehlung zu Masken: 

https://apps.who.int/iris/handle/10665/332293

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Deutschland:

https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Medizinprodukte/DE/schutzmasken.html

Robert-Koch-Institut, Stechbrief Coronavirus:

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Steckbrief.html

Spiegel-Artikel zum traurigen Vorfall in Frankreich: 

https://www.spiegel.de/panorama/justiz/knacki-wurst-kleinkind-erstickte-an-wuerstchen-produzent-herta-muss-vor-gericht-a-049c31c3-9448-4cf0-8157-95bf7bddf4e8

 

Autor: Markus Glanzer | glanzer@krisenplaner.at

Veröffentlicht am: 26. Jänner 2021

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