Betriebliches Risikomanagement – Wie wichtig ist es?

Unternehmen können gehörig ins Wanken geraten, wenn sie sich auf Notfälle und Krisen nicht gewissenhaft vorbereiten. Im Worst Case steht ihre  Existenz auf dem Spiel.

Wer für den Ernstfall gut gerüstet sein möchte, muss sich bewusst und gezielt auf konkrete Szenarien vorbereiten und laufend dafür trainieren. Denn Routine und Erfahrung helfen dabei, einen kühlen Kopf zu bewahren sowie schnell und zielgerichtet zu reagieren.

Kennen Sie Ihre Unternehmensrisiken?

Doch bevor Sie in Ihrem Betrieb eine Struktur und Prozesse für Notfälle und Krisen implementieren können, müssen Sie zuerst mögliche Risiken und Bedrohungen identifizieren, analysieren und bewerten.

Mögliche Bedrohungen für Ihren Betrieb:

  • Unternehmenskrisen wie Ausfall von Geschäftsleitung oder Schlüsselpersonal
  • Versorgungskrisen wie Lebensmittel- oder Rohstoff-Knappheiten
  • technische Krisen wie Stromausfälle (Blackout), Fehlproduktionen oder Produktionsausfälle
  • gesundheitliche Krisen wie Epidemien und Pandemien
  • Ereignisse wie Terror, Cyber-Terror, Geiselnahmen oder Amok
  • politische Krisen wie Reiseeinschränkungen, Markt- und Absatzeinschränkungen
  • Katastrophen wie Hochwasser, Erdbeben, starke Hitze oder Kälte

Aufgabe der Unternehmensführung

Das Risikomanagement liegt klar in der Verantwortung der Unternehmensführung – also in Ihren Händen als Unternehmerin bzw. Unternehmer. Sie müssen nicht nur dafür sorgen, dass es in alle Aktivitäten Ihres Betriebs implementiert wird. Auch müssen Sie die dafür notwendigen Ressourcen bereit- und sicherstellen.

Iterativer und agiler Prozess

Wichtig ist, alle Stakeholder und Bereiche in Ihrem Unternehmen bzw. Ihrer Organisation zu sensibilisieren und in das Risikomanagement aktiv einzubinden. Andernfalls kann es nicht adäquat umgesetzt werden. Doch die Auseinandersetzung mit potenziellen Risiken ist kein einmaliges Unterfangen – sondern ein sich wiederholender und agiler Prozess.

Wie Sie den Risikomanagementprozess letztlich gestalten, ist von Größe, Komplexität, Umfeld, Tätigkeit als auch Managementsystem und Risikoexposition Ihres Unternehmens bzw. Ihrer Organisation abhängig.

Beurteilen Sie Ihr Risiko und handeln Sie!

Im operativen Risikomanagement spielen Risikobeurteilung und -behandlung eine entscheidende Rolle: Werden mögliche Bedrohungen für Ihr Unternehmen bzw. Ihre Organisation erkannt und entsprechend darauf reagiert, dient dies bereits als Grundlage für ein wirkungsvolles Notfall-, Krisen und Business Continuity Management.

  • Risikobeurteilung: Werden Risiken – warum auch immer übersehen –  ist das eigene Notfall- und Krisenmanagement gefordert und meist rasch überfordert. Um mögliche Risiken beurteilen zu können, sind Risikoidentifikation, -analyse und -bewertung unverzichtbar.  
  • Risikobehandlung: Wählen Sie geeignete Maßnahmen, um Ursachen zu beseitigen, Ausmaß und Wahrscheinlichkeit von Risiken zu vermeiden bzw. zu vermindern oder wälzen Sie das Risiko – falls möglich – ab.  Nach der Durchführung der geplanten Maßnahmen prüfen Sie deren Wirksamkeit und passen diese solange an, bis das verbleibende Risiko akzeptabel ist oder das erwünschte Ergebnis eintritt.

Wie definiert sich eigentlich Risiko?

Die meisten Menschen verbinden mit dem Begriff „Risiko“ in der Regel etwas Negatives. Für Unternehmen steht als finanzielles Risiko meist ein Verlust im Raum. Aber haben Sie bei Risiko schon einmal an Gewinn gedacht?

In den Normen – speziell in der ÖNORM ISO 31000 Risikomanagement – werden Risiken als negative oder positive  Auswirkung von Unsicherheit auf Ziele definiert. So kann bspw. ein definiertes Risiko auch eine Chance auf einen Gewinn bieten und nicht nur eine Bedrohung in Form eines finanziellen Verlustes darstellen.

Welche Rolle spielt das Restrisiko?

Das sogenannte Restrisiko wird als Risiko, das nach Umsetzung der Risikobehandlung verbleibt, definiert. Dies beinhaltet das bewusst eingegangene Risiko – im Alltag auch unternehmerisches Wagnis genannt – und das nicht identifizierte Risiko. Und weil eine Vorbereitung auf Unbekanntes nur bedingt möglich ist, fordert das nicht identifizierte Risiko das Notfall- und Krisenmanagement auch dementsprechend heraus. 

Fazit

Zugegebenermaßen klingt das alles ziemlich verwirrend – außer Sie sind Expertin oder Experte für Risikomanagement. Sind Sie das nicht, sollten Sie sich darüber den Kopf nicht allzu sehr zerbrechen – sondern Ihr Risikomanagement lieber Fachleuten anvertrauen. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt dies übrigens ebenso.

Durch eine halbherzige Herangehensweise öffnen Sie dem nicht identifizierten, negativen Restrisiko Tür und Tor. Das bedeutet eine zusätzliche Herausforderung für Ihr Notfall-, Krisen- und Business Continuity Management. Denn genau darauf zielen diese Systeme ab – nämlich die Bewältigung von Notfällen und Krisen, die durch das bekannte oder unbekannte Restrisiko ausgelöst werden.

Der Originalbeitrag ist auf Port41.at unter dem Titel „Wissen Sie, welche Risiken Ihren Betrieb bedrohen können?“ erschienen und dort in voller Länge nachzulesen.

Autor: Markus Glanzer | glanzer@krisenplaner.at

Veröffentlicht am: 03. November 2020

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